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Gemeinsames Entwickeln

mobile Architekten

Planungsexperimente mit Menschen und offenen Räumen

Die Medien berichten uns täglich, dass einiges in unserer Welt nicht so läuft, wie es sein soll: Flucht und Kriege durch ungleiche Verteilung, Ressourcenvergeudung, durch Konsumwirtschaft und eingeplanter Verschleiß, Wohnungsnot und Leerstand, Isolation, Depression … Was kann und soll da Architektur leisten, um die Welt ein Stück weit besser zu machen? Wie könnten Architekten Strukturen schaffen, die dazu beitragen dass wir neue Lösungen finden?

Mit Architektur die Welt verbessern? Als Architektur-Student*in braucht man schon etwas Mut, denn der Arbeitsmarkt verheißt nichts Gutes. Das Berufsbild: 60 Stunden irgendwo angestellt sein, den Computer zum besten Freund machen und unter straffen Deadlines für Ausschreibungen zeichnen, die man eventuell nicht gewinnt und dann Überstunden nicht bezahlt werden können.

Aber Alternativen zeichnen sich ab: Architekt*innen sind auch soziale Raumgestalter*innen und gesellschaftliche Vermittler*innen!

Der Beruf des/der Architekten*in wandelt sich und wird vielseitiger. Absolvent*innen zeichnen nicht nur Grundrisse und Schnitte, sie arbeiten mit verschiedensten Medien und schlagen Brücken zu allen Bereichen unserer Gesellschaft. So auch in soziologische und politische Sektoren, wo sie mithilfe ihrer Ausbildung Problemfelder kreativ lösen.

Beispiel Leerstand!

Leerstehende Möglichkeitsräume haben eine ungeheure Anziehungskraft. Man braucht Raum zum Arbeiten, aber ohne leistbaren Raum keine Arbeit und ohne Geld wieder keinen Raum. Ein blöder Teufelskreis. Leere Gebäude und Flächen sidn ein grosses Potential unserer Städte und Gemeinden, denn sie sind Geldanlage. Viele Kreative finden in zeitlich ungewissen Zwischennutzungen günstig Platz. Der ist aber unter Umständen auch schnell wieder weg, wenn Gebäude saniert oder verkauft werden sollen. Folgen der immer stärker umgreifenden viertelverteuernden Gentrifizierung. Es braucht dringend eine Vermittlerrolle zwischen den Eigentümern, den potentiellen Raumnutzer*innen und der Stadt, um auf die Qualitäten einer Zusammenarbeit aufmerksam zu machen! Denn oft werden gerade durch diese Berufsgruppe innovative Lösungen entwickelt für Probleme, die uns alle angehen. Wenn die Rahmenbedingungen passen, können leerstehende Gebäude einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden- und das langfristig.

TIPP: Auf Leerstandsmelder.de findest Du einen guten Überblick über den Leerstand der Städte. Es ist eine interaktive Karte, auf der Besucher*innen Leerstände melden können. Diese Datenbank lässt Raumsuchende und Eigentümer einander finden.

Was kann ich, als zukünftige Architektin nun tun?

In meiner Abschlussarbeit widme ich mich der Frage, wie man gemeinsam notwendige Räume für die Gesellschaft entwickeln kann. Es wird dazu drei Phasen geben:

A. Bauen der Basis! Es wird ein mobiler Raum gemeinsam geplant und gebaut. Alles wird online dokumentiert. Dieser Raum soll Basisstation für die zukünftige Planung vor Ort werden. Er wird „Raumwagen“ heißen. Der Name steht für die Notwenigkeit Räume zu wagen, die offen sind in ihrer Funktion und ihrer Gestaltung.

Mehr Infos? Besuche doch die Webseite mit spannenden Einblicken: http://www.raumwagen.info

B. Test- it Baby! Start des Planungsexperimentes mit mobiler Basisstation vor Ort. Ein Gebäude oder ein Platz wird ausgewählt, der ein Potential für das Gemeinwohl hat, aber nicht genutzt wird. Alle Beteiligten sollten mit einer Konzeptplanung einverstanden sein und diese ermöglichen. Und dann geht’s los! Untersuchungen und Analysen. Erstellung von Rahmenkonzepten und Machbarkeitsstudien. Öffentichkeitsarbeit und Kommunikation. Fertigung eines Nutzungskonzeptes.

C. Auswertung und Präsentation der Forschungsergebnisse.

D. Integration der Ergebnisse in die Planungspraxis

Wichtig: Innerhalb der Stadt oder der Gemeinde sollen Flächen ausgewiesen werden, die dem Gemeinwohl dienen sollen. Spekulation bei wichtigen sozialen Räumen hat dann ein Ende. Einen Eigentümer gibt es nicht, denn die Fläche gehört dann Allen.

Auf dieser geschützten Fläche wird ein Raum eröffnet, für Begegnung und Austausch. Das Team des mobilen Planungsbüros, wird mit lokalen Akteur*innen ergänzt. Gemeinsam entdeckt man die Qualitäten und Möglichkeiten des Ortes. Bei niederschwelligen Veranstaltungen wird zusammen ein Planungskonzept entwickelt. Dabei geht die wertvolle Zeit und Kraft in zwischenmenschliche Kontakte und nicht mehr verloren durch bürokratische Hürden.

Ermöglichen wird wichtiger als Entwerfen-

Jede*r von uns braucht das Gefühl des sinnhaften Tuns, der Wertschätzung des eigenen Seins und Zugehörigkeit, um Existieren zu können. Räume, die das fördern, werden aber eher weniger. Ein Plädoyer mehr undefinierte, wandelbare Räume zu entwickeln, die zum Ausprobieren und Experimentieren einladen. Räume der Begegnung, das Miteinanders und des gemeinsamen Schaffens bündeln Energien, die die Menschheit brauchen wird, um die Fragen der Zukunft beantworten zu können.

Sei mutig und macht bei einer Initiative in deiner Nähe mit!

Oder gründe eine Eigene!

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